Im Januar stiegen die Strompreise in Deutschland auf Weltrekordniveau. Kein Land zahlt mehr für Elektrizität als Deutschland. Schuld sind hohe Steuern und Öko-Abgaben, die die Stromrechnungen exorbitant in die Höhe schnellen lassen. Nun schlägt die Industrie Alarm und fordern vom Staat Entlastungen.

Was kostet der Strom in Deutschland?

Im Januar 2022 haben deutsche Haushalte im Durchschnitt für eine Kilowattstunde 36,19 Cent bezahlt wie aus den Daten des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft hervorgeht. Bisher lag der Strompreis stets deutlich darunter. Die Energiepreise steigen in Deutschland rasant - wesentlich schneller als woanders auf der Welt. Die Strompreise liegen dabei in etwa dreimal so hoch als im internationalen Durchschnitt. Schuld daran sind die Öko-Abgaben und die hohen Steuern, die deutsche Haushalte zahlen müssen.

Was bezahlen internationale Haushalte für Elektrizität?

Im Internationalen Vergleich ist Deutschland mit seinen Strompreisen Spitzenreiter. In Italien liegt der Energiepreis bei etwa 25 Cent, in den Niederlanden bei 19 Cent, in Indien bei 8 Cent, in der Schweiz und in Österreich bei 23 Cent, in Frankreich bei 21 und in Kanada bei 12 Cent. 

Land Strompreis Land Strompreis
Italien 25 Cent Schweiz 23 Cent
Frankreich 21 Cent Luxemburg 23 Cent
Niederlande 19 Cent Indien  8 Cent
Österreich 23 Cent China 9 Cent
Kanada 12 Cent Südkorea  11 Cent
USA 16 Cent Polen 19 Cent
Brasilien 14 Cent Griechenland 17 Cent
Ungarn  10 Cent Dänemark  29 Cent
Belgien 27 Cent Irland 26 Cent
Spanien 23 Cent Finnland 18 Cent
Kroatien 13 Cent Bulgarien 10 Cent
Norwegen  18 Cent Portugal 20 Cent

Quelle: strom-report.de, focus.de


Auch Industrie zahlt mehr Strom

Ebenso zahlt die deutsche Industrie mehr Strom, auch wenn ihre Tarife ermäßigt sind, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft mitteilt. Im Jahr 2020 lag der Preis pro Kilowattstunde für die Industrie noch bei 17,76 Cent, nun ist der Preis sprunghaft im Januar 2022 auf 26,64 Cent je Kilowattstunde gestiegen. Nun schlagen Verbände der deutschen Industrie Alarm, denn die hohen Energiepreise bedrohen die Existenz vieler Unternehmen und somit im Endeffekt auch den deutschen Wirtschaftsstandort.

Video: Strommarkt außer Kontrolle - was die Politik tun muss

Quelle: youtube.com

Abschaffung der EEG-Umlage gefordert

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert die Abschaffung der aktuellen hohen EEG-Umlage, die als Förderung von erneuerbaren Energien eingesetzt wird. Es droht eine massive Abwanderung aus Deutschland von Industriezweigen wie Metall, Papier, Stahl, Zement, Glas und Aluminium, die viel Strom verbrauchen. Holger Lösch, stellvertretender BDI-Hauptgeschäftsführe, erklärt die Situation wie folgt:

"Die EEG-Umlage ist ein Hemmschuh für den Industriestandort Deutschland. Gerade im wirtschaftlichen Wiederaufbau nach der Corona-Krise und beim Klimaschutz bremst sie Unternehmen und Verbraucher aus. Die Bundesregierung muss eine dauerhafte Kehrtwende bei der Umlagenhöhe einleiten und das Kapitel hoher staatlicher Lasten auf den Strompreis komplett beenden. Mehr Markt und weniger Regulierung ist die Lösung für den Erfolg der Energiewende." 

Für die Industrie und den deutschen Haushalten fordert der BDI nun die Abschaffung der EEG-Umlage. Der Rechnungshof-Präsident Kay Scheller erklärt:

"Die Energiewende droht Privathaushalte und Unternehmen finanziell zu überfordern. Das setzt die Akzeptanz des Generationenprojekts aufs Spiel. Und gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands."

Experten schlagen nun vor, das gesamte System der staatlichen Umlagen und Entgelte "grundlegend zu reformieren".

 

TVöD: Tarifvertrag 2022, Entgelttabellen, Rechner | Oeffentlicher Dienst | Autor: Frank Wegener