Am 16. November 2021 wird der Marburger Bund (MB) zusammen mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) für die rund 55.000 Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern in die zweite Verhandlungsrunde gehen. Dabei sind 5,5 Prozent mehr Gehalt sowie Verbesserungen bei der Rufbereitschaft und den Bereitschaftsdiensten gefordert. Außen vor bleiben Ärzte an Gesundheitsämtern, den sogenannten ÖGD-Ärzte. Diese sollen - wenn es nach den kommunalen Arbeitgebern geht - keinen eigenen Tarifvertrag erhalten. Anders hingegen verlief die bereits stattgefundene Tarifrunde für die Vivantes-Ärzte. Diese können sich über insgesamt 6,5 Prozent mehr Entgelt freuen. 

04.05.2022: Tarifergebnis steht: 3,35 % mehr Gehalt

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) und die Gewerkschaft Marburger Bund haben sich nach insgesamt sieben Sondierungs- und Verhandlungsrunden auf einen Tarifabschluss für die rund 60.000 Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern TV Ärzte /VKA) geeinigt. 

Im Detail sieht das Tarifergebnis Folgendes vor:

Gehalt

  • Gehaltserhöhung um 3,35  rückwirkend zum 01. Oktober 2021 bis 31. Dezember 2022

Urlaub

  • 1 Urlaubstag mehr ab dem 1. Januar 2022 
  • 1 weiteren Urlaubstag mehr für Ärzte mit mehr als 29 Bereitschaftsdiensten im Kalenderhalbjahr ab 01. Januar 2023

Rufbereitschaft

  • ab 1. Juli 2022 dürfen pro Kalendermonat nicht mehr als 13 Rufbereitschaftsdienste und Dienste, die der Patientensicherheit dienen, geleistet werden. Ein Rufbereitschaftsdienst umfasst höchstens 24 Stunden. 
  • Zuschlag von 10 % zusätzlich zum Rufbereitschaftsentgelt ab dem 14. Rufbereitschaftsdienst je Kalendermonat sowie für jeden weiteren dritten Dienst weitere 10 %. 

Überstunden

  • weiterer Zuschlag für Zeit zwischen 0 und 6 Uhr zusätzlich zu dem Entgelt für Überstunden sowie für etwaige Zeitzuschläge
  • Ausgleich des Zuschlags in Freizeit möglich

Bereitschaftsdienst

  •  nur bis zu vier Bereitschaftsdienste ab 1. Januar 2023

Freie Wochenenden

  • Arbeitsleistung nur an zwei Wochenenden pro Monat ab 1. Januar 2023


Tarifrunde für den TV Ärzte/VKA erneut vertagt

Die am 15.02.2022 stattgefundene Tarifrunde für die etwa 60.000 Ärzte an kommunalen Krankenhäusern ist erneut vertagt. Es kam zum wiederholten Male zu keiner Einigung. Allerdings konnte zumindest bei einigen Themen eine Annäherung erreicht werden.

Tarifrunde 2021 für Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Krankenhäusern (TV Ärzte/VKA)

Am 14. Oktober 2021 begann die Tarifrunde 2021 für die Ärzte an kommunalen Krankenhäusern, die von der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) und die Gewerkschaft Marburger Bund geführt wird. Die erste und zweite Verhandlungsrunde am 16. November 2021 wurden ergebnislos auf den 16. Dezember vertagt. Trotz Angebots durch die Arbeitgeber bleibt auch dieser Tarifverhandlungstermin ergebnislos. Gefordert werden von der Gewerkschaft Marburger Bund für die rund 55.000 Ärztinnen und Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern folgende Eckpunkte:

  • + 5,5 % zum 01.10.2021
  • Laufzeit 12 Monate
  • Neuregelung der Rufbereitschaft
  • Anhebung des Zuschlags zur Rufbereitschaft
  • Bereitschaftszeit oder Rufbereitschaft an höchstens 2 Wochenenden im Kalendermonat
  • weiterer Dienst nur im Notfall

Die Arbeitgeber lehnten in der ersten Verhandlungsrunde die Forderungen als nicht finanzierbar ab.

Im Laufe der dritten Verhandlungsrunde legten die Arbeitgeber ein Angebot vor. Dieses sah folgende Eckpunkte vor:

  • Laufzeit: 1. Oktober 2021 – 31. Dezember 2024
  • Lineare Gehaltserhöhung:
    • ab dem 1. Januar 2023 um 1,65 Prozent und
    • ab dem 1. Januar 2024 um weitere 1,65 Prozent
  • Corona-Sonderzahlung: 1.200 Euro (Auszahlung mit dem März-Entgelt 2022)
  • Verbesserungen der Regelungen für Rufbereitschaft und Bereitschaftsdienste

Die Gewerkschaft lehnte das Angebot als unzureichend ab.

Ärzte im Einsatz - oft unter Dauerstress

Bild: Ärzte im Einsatz - oft unter Dauerstress

Tarifrunde für Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD-Ärzte)

Bereits seit längerer Zeit wird für die Ärztinnen und Ärzte ein arztspezifischer Tarifvertrag gefordert, der die Ärzte mit ihren Kollegen in den kommunalen Krankenhäusern sowie im Medizinischen Dienst der Krankenver­sicherung gleichstellt. Nun haben sich der Marburger Bund (MB) und der Bundes­verband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) an die Länderminister für Ge­sundheit und Finanzen gewandt, um dieser Forderung erneut Ausdruck zu verleihen.

Bereits im vergangenen September hatten der Bund und die Länder eine Förderung des ÖGDs mit einem "Pakt für den Öffent­li­chen Gesundheitsdienst" beschlossen. Dabei wurde der Fokus insbesondere auf eine verbesserte Personalgewinnung gelegt. Zudem sollte ein Tarifvertrag geschaffen werden, denn Fachärzte im ÖGD verdienen etwa 1.500 Euro weniger als Ärzte an kommunalen Krankenhäusern. 

Tarifergebnis für ärztliche Beschäftigte bei Vivantes 2021 (Vivantes-Ärzte)

Rückwirkend zum 01.05.2021 soll der neue Tarifabschluss für die rund 2.500 bei Vivantes beschäftigten Ärzte gelten, der am 27.10.2021 von der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, dem Kommunalen Arbeitgeberverband Berlin (KAV Berlin) und Vivantes erzielt wurde. 

Dabei wurden folgende Eckpunkte festgelegt:

  • Entgelterhöhung von insgesamt 6,3 % 
  • Laufzeit 32 Monate
  • + 1,8 % rückwirkend zum 01.06.2021
  • + 2,5 % ab 01.05.2022 
  • + 2,0 % zum 01.01.2023

Zudem gibt es Verbesserungen im Bereitschaftsdienstentgelt, der Wechselschicht- und Schichtzulage sowie der Einsatzzuschläge im Rettungsdienst.


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TVöD: Tarifvertrag 2022, Entgelttabellen, Rechner | Oeffentlicher Dienst