In der sechsten Verhandlungsrunde der Tarifrunde für die rund 25.000 Luftsicherheitskräfte konnte ein Tarifergebnis nach etlichen Warnstreiks, genervten Passagieren und Flugausfällen erzielt werden. Der neue Tarifvertrag ist bis zum 31.12.2023 gültig und wurde bereits von der ver.di-Tarifkommission einstimmig zugestimmt. Auf das Tarifergebnis verständigten sich der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) und die Gewerkschaft ver.di. 

So sieht das Tarifergebnis aus

Für die verschiedenen Tarifgruppen der Luftsicherheitskräfte gibt es drei Mal eine Erhöhung:

Was war im Vorfeld passiert?

Am 22. März 2022 hat die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di im Rahmen der Tarifrunde erneut zu Warnstreiks aufgerufen. Dieses Mal sind die Flughäfen Frankfurt am Main, Hamburg, Stuttgart, Berlin, Düsseldorf, Köln/Bonn, Bremen und Hannover betroffen. Bestreikt werden die Passagierkontrollen, was zu vielen Flugausfällen führt. An vielen Flughäfen sind die Sicherheitskontrollen geschlossen, weshalb keine Abflüge stattfinden können.

Warnstreiks dauern ganztägig

Die nahezu bundesweiten Warnstreiks werden ganztägig andauern. Beginn ist je nach Airport zwischen 0 und 4 Uhr. Enden sollen die Warnstreiks um Mitternacht. Passagiere müssen mit erheblichen Verspätungen und Flugausfällen rechnen. In Frankfurt am Main werden nur Transitpassagiere abgefertigt. Ein Zustieg ab Frankfurt ist somit heute nicht möglich. 

Was können Reisende tun?

Reisende, die am 22. März 2022 abfliegen, sollten sich vorab über ihren Flugstatus informieren. Der Frankfurter Flughafen teilt mit, dass eine Anreise am 22.03.2022 erst nach einer Flugstatus-Kontrolle erfolgen sollte, denn am Airport werden nur Transitpassagiere abgefertigt. Am Frankfurter Flughafen sollten heute 750 Airlines landen und abfliegen. Experten raten, das Gepäck auf maximal ein Handgepäck zu reduzieren, um Kontrollen zu beschleunigen.

Betroffene Passagiere sollten sich mit ihrer Airline in Verbindung setzen und nach einer Umbuchung für den Folgetag fragen. Wer umbuchen kann, der sollte sich am Flughafen zeitig einfinden, denn der Andrang wird größer als regulär sein. 

Zum zweiten Mal Flugstreiks

Erst in der vergangenen Woche hatte es massive Warnstreiks gegeben. Am 14. und 15. März kam es zu massiven Behinderungen des Reiseverkehrs, bei denen hunderte Verbindungen gestrichen werden mussten. An den Flughäfen bildeten sich lange Schlangen und Wartezeiten. Hintergrund der Streikaktionen ist der aktuelle Tarifkonflikt zwischen dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Diese fordert für die Beschäftigten eine bundesweit einheitliche Bezahlung und mehr Gehalt. 

Was wird genau gefordert?

Die Luftsicherheitskräfte fordern mindestens einen Euro pro Stunde mehr bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zudem soll der Lohn für die Luftsicherheitskräfte Fracht und Personen/Warenkontrolle mit behördlicher Prüfung auf das Lohnniveau der Luftsicherheitsassistenten (Fluggastkontrolle) angehoben werden. Luftsicherheitskräfte in der Bordkartenkontrolle, in der Sicherung von sicherheitsempfindlichen Bereichen, in der Flugzeugbewachung u.a. mit Qualifizierung und bestandener Prüfung sowie in der Dokumentenkontrolle sollen bundesweit das gleiche Stundenentgelt erhalten. Bisher erhielten die Sicherheitskräfte je nach Region ein unterschiedliches Gehalt.

Aktuell verdient das von der Bundespolizei kontrollierte Luftsicherheitspersonal rund 19 Euro pro Stunde ohne Zuschläge. Allerdings hängt dies stark von der Region ab. In Berlin beispielsweise beträgt der Stundenlohn 15,43 Euro.

Die Arbeitgeber boten 7 Prozent mehr Lohn an, für ver.di ist dies jedoch zu wenig. Nach Aussagen der Arbeitgeber fordert ver.di rund 40 Prozent mehr Lohn. Die Arbeitgeber seien bereit zu strukturellen Veränderung, allerdings bezeichnen sie die Forderung der Gewerkschaft, alle Lohngruppen auf das Niveau der teuersten Gruppen anzuheben, als "utopisch". Den Unternehmen am Airport stecken noch immer die beiden letzten Jahre der Corona-Pandemie in den Knochen. Umso ärgerlicher ist es, dass die Gewerkschaft solche Forderungen anstrebt, wie die Arbeitgeber erklären. 

Wird es weitere Warnstreiks geben?

Am Donnerstag, den 24.03.2022 soll es weitere Verhandlungen zwischen ver.di und den Arbeitgebern geben. Danach wird sich entscheiden, ob es zu weiteren Streikaktionen kommt. Bisher wurde kein Tarifergebnis erzielt und auch keine Annäherung zwischen den Parteien. 

 

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