Einige Beschäftigte werden wohl dieses Jahr auf eine Erhöhung der jährlichen Sonderzahlung zu Weihnachten verzichten müssen. Zu tief sitzen noch die Spuren, die die Wirtschaftskrise in den Unternehmen hinterlassen hat. Zu tief, um den Beschäftigten in der chemischen Industrie, der Metallindustrie, im Bankgewerbe, im Hotel- und Gaststättengewerbe, in der Landwirtschaft, im Steinkohlenbergbau sowie im Groß- und Außenhandel eine Erhöhung zukommen zu lassen.

Beschäftigte in den anderen Branchen können sich hingegen über eine Erhöhung zwischen 1,2 Prozent, beispielsweise im öffentlichen Dienst, und 5,7 Prozent, in der Stahlindustrie, freuen. Dies entspricht einem Steigerungswert von 10 bis 128 Euro bei Kalkulierung der mittleren Vergütungsgruppe.

Laut dem Leiter des WSI-Tarifarchivs Dr. Reinhard Bispinck, ist der Unterschied der Sonderzahlungen unter anderem auf den Zeitpunkt der Tarifabschlüsse zurückzuführen: „Dort, wo die Tarifabschlüsse mitten in der Krise erfolgten und Pauschalzahlungen beinhalteten, blieben die tariflichen Sonderzahlungen unverändert - so zum Beispiel in der chemischen Industrie und in der Metall- und Elektroindustrie“. Betrachtet man hingegen die Stahlindustrie, so stellt man fest, dass der Anstieg des tariflichen Entgeltes um 2 Prozent im Januar sowie um 3,6 Prozent im Oktober eine 5,7-prozentige Erhöhung des Weihnachtsgeldes nach sich zieht.

Weitere tarifliche Steigerungen des Weihnachtsgeldes erhalten unter anderem Beschäftigte im öffentlichen Dienst (West) um 26 Euro auf 2.158 Euro, im Bauhauptgewerbe (West) um 31 Euro auf 1.380 Euro, bei der Deutschen Bahn AG um 40 Euro auf 2.018 Euro, im nordrhein-westfälischen Einzelhandel um 20 Euro auf 1.338 Euro, im Versicherungsgewerbe um 50 Euro auf 2.050 Euro sowie in der Textilindustrie Westfalen und Osnabrück um 68 Euro auf 1.912 Euro und in der Druckindustrie um 45 Euro auf 2.335 Euro.

Weihnachsgeld 2010

 

Quelle: WSI

In den meisten Branchen ist Weihnachtsgeld in den Tarifverträgen der Beschäftigten als fester Prozentsatz verankert. Eine Veränderung der prozentualen Werte bezüglich der Vorjahre ist jedoch kaum zu spüren.
Den höchsten Zuschlag erhalten Beschäftigte im Bankgewerbe, in der Druckindustrie, in der Chemieindustrie West sowie in der Süßwarenindustrie. Dort wird Weihnachtsgeld in der Höhe von 95 bis 100 Prozent eines monatlichen Entgeltes gewährt.

Auf den nachfolgenden Rängen befindet sich die Branche der Versicherung mit 80 Prozent, der westliche Einzelhandel mit 62,5 Prozent, die westliche Metallindustrie mit 55 Prozent, der öffentliche Dienst (West) mit 60 bis sogar 90 Prozent, je nach Vergütungsgruppe.
In den neuen Bundesländern wird im Vergleich zu den westlichen Ländern weniger Weihnachtsgeld gezahlt. So erhalten beispielsweise Beschäftigte in der Chemiebranche 65 Prozent, im öffentlichen Dienst 67,5 Prozent und in der Metallindustrie 50 Prozent.  Beschäftigte im Gebäudereinigerhandwerk sowie im Bauhauptgewerbe erhalten sogar kein Weihnachtsgeld.

 

Siehe auch:

Drastische Sparmaßnahmen für den öffentlichen Dienst

 

 

 

TVöD: Tarifvertrag 2018/ 2019, Entgelttabellen, Rechner | Oeffentlicher Dienst | Autor: Frank Wegener