Nach gescheiterten Tarifverhandlungen setzen die Arbeitnehmer der Deutschen Bahn auf Streik. Sie kämpfen für mehr Geld, einen Corona-Bonus, Betriebsrenten, Leistungen zur Altersvorsorge und für einen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. Und das zu Zeiten der Pandemie, wo jedes Unternehmen praktisch gesehen um Produktion, Aufträge und den Erhalt der Arbeitsplätze kämpft. Nicht zu vergessen: Auch zu Zeiten nach dem Hochwasser, wo nicht nur eine Vielzahl von Menschen ihr Hab und Gut verloren hat, sondern auch gerade die Deutsche Bahn erhebliche Schäden davon getragen hat. Da fragt man sich zurecht: Ist denn überhaupt ein solcher Arbeitskampf zu diesen Zeiten angebracht? Müssen Fahrgäste weiterhin strapaziert werden? Waren Verspätungen und Ausfälle durch das Hochwasser nicht genug? 

Einigung bei der Deutschen Bahn erzielt

Am 16.09.2021 konnte eine Einigung zwischen den Tarifparteien erzielt werden. Das Tarifergebnis gestaltet sich wie folgt:

Entgelt

  • zum 01.12.2021: Gehaltserhöhung um 1,5 % + Coronaprämie bis zu 600 Euro je nach Lohngruppe
  • zum 01.03.2022: Coronaprämie von 400 Euro für alle
  • zum 01.03.2023: Gehaltserhöhung um 1,8 %

Altersvorsorge

  • ab 2022 bleibt das bisherige System der Zusatzrente nur für Bestandsmitarbeiter bestehen
  • für neue Mitarbeiter wird die betriebliche Altersvorsorge umstrukturiert

Tarifvertrag

  • neue Tarifverträge werden für Mitarbeitende in Werkstätten und in der Verwaltung geschlossen
  • der Bereich Infrastruktur bleibt ausgenommen

Laufzeit

  • 32 Monate bis Ende Oktober 2023

Der Streik bei der Bahn geht weiter - Ist das gerechtfertigt?

In der Urabstimmung hatten sich die GDL-Mitglieder für den Streik ausgesprochen. Die Bahn hatte zu diesem Zeitpunkt ein Angebot vorgelegt. Sie wollte in zwei Schritten das Gehalt erhöhen: 

  1. zum 01.01.2022 um 1,5 %
  2. zum 01.03.2023 um 1,7 %

Laufzeit sollte 24 Monate sein. 

GDL lehnt Angebot ab

Der Gewerkschaft der Lokführer GDL reicht das Angebot der Bahn jedoch nicht aus. Sie fordert frühere Lohnerhöhungen, die Einführung eines Corona-Bonus von 600 Euro, eine Verbesserung der Betriebsrenten und der Altersvorsorge sowie der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

Starke Einschränkungen im Schienenverkehr

Am zweiten Streiktag am 12.08.2021 kommt es zu starken Einschränkungen im Schienenverkehr.  Die Bahn setzt Ersatzfahrpläne ein, um zumindest ein wenig das Ausmaß der Ausfälle und Verspätungen abzumildern, jedoch kommt es trotzdem bundesweit zu Zugausfällen und massiven Verspätungen. 

Fahrgäste sind Leidtragende

Was dem einen Recht ist, ist dem anderen Leid. So streiken auf der einen Seite die Angestellten der Bahn, auf der anderen Seite stehen sich die Fahrgäste die Beine im Bauch und hoffen, dass sie doch noch irgendwann einen Zug ergattern können. 

Drohen bald neue Streiks?

Die GDL hat nach zwei Arbeitskampftagen angekündigt, bald weitere Streikaktionen durchzuführen. Verkehrsminister Scheuer will dies verhindern und einen Schlichter zwischen der GDL und der Deutschen Bahn einsetzen. Doch wird dies reichen, um neue Streiks in den nächsten Wochen zu verhindern? 


Lesen sie auch:

» GDL-Streik bei der Bahn: Die Bahn informiert

 

TVöD: Tarifvertrag 2021, Entgelttabellen, Rechner | Oeffentlicher Dienst | Autor: Frank Wegener