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Immer mehr private Haushalte verschulden sich in Deutschland. Die Gründe dafür sind manigfältig. So kann es sein, dass das Einkommen schlichtweg zum Leben nicht ausreicht, eine Krankheit oder Arbeitslosigkeit unerwartet eingetreten ist oder der Umgang mit Geld dringend überarbeitet werden muss. Zudem tappen viele Personen dann in die Schuldenfalle, wenn bestimmte Angebote locken. Meistens sind es die 0-Prozent-Finanzierungen, die mit großen Werbeplakaten zum Kauf animieren sollen und Handyverträge bei der eher jüngeren Generation. Oftmals wird jedoch übersehen, dass gerade bei Finanzierungen Beiträge monatlich zu zahlen sind. Eine Finanzierung stellt nichts anderes dar als ein Kauf auf Kredit. Doch zu verlockend ist das Angebot, das anscheinend ohne weitere Kosten finanziert werden kann. Das Gleiche gilt bei Mobilfunkverträgen. Hier tappen oftmals junge Menschen in die Schuldenfalle.

Kosten der Schulden

Aber gerade bei Telefonanbietern Schulden zu haben, kommt recht teuer, wie Studien aufzeigen. Ungefähr 43 Prozent des ursprünglichen Rechnungsbetrages kommt noch einmal hinzu, wenn Verzugszinsen, Anwalts- und Gerichtskosten und sonstige Nebenkosten zu Buche schlagen.
Inkassounternehmen und Rechtsanwälte schlagen etwa 33 Prozent oben drauf, ebenso berechnen Versandhandelshäuser durchschnittlich 33 Prozent der Rechnungsssumme an Nebenkosten. Wer Schulden beim Staat oder bei Banken hat, kommt vergleichsweise mit 13 Prozent mehr an Kosten noch glimpflich weg. Private Gläubiger gehören hier mit 12 Prozent im Durchschnitt an Mehrkosten mit zu den „Günstigsten“.

Diagramm: Kosten von Schulden

Der Überschuldungsreport 2013

Die Studie zur Schuldenanalyse wurde unter der Bezeichnung "Überschuldungsreport 2013" vom Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) durchgeführt und veröffentlicht. Pro Jahr werden dabei Daten von etwa 12.000 Personen, die eine Schuldnerberatungsstelle zum Abbau ihrer Schulden, ausgewertet. Insgesamt gesehen sind in Deutschland etwa 3,3 Millionen Haushalte überschuldet. Als überschuldet gilt dann ein Haushalt, welches seine Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Dazu gehören jedoch keine Kontokündigungen, Kreditauflösungen, Umschuldungen und Zahlungsverzüge.

Im Jahre 2012 lagen die Verbindlichkeiten, die von Personen bei Schuldnerberatungsstellen angegeben wurden, bei 34.932 Euro. Dies stellte gegenüber dem Jahr 2011 einen Zuwachs von 2.301 Euro dar, denn 2011 lagen die Verbindlichkeiten noch bei 32.631 Euro.
Erstmals wurden in der Studie Hauptforderungen und Nebenkosten getrennt beleuchtet. Somit konnte festgestellt werden, dass die Forderungen der Gläubiger jährlich um etwa 10 Prozent steigen. Anders dargestellt ergibt dies einen Anstieg von 3.650 Euro pro Jahr. Grund dafür sind anfallende Verzugszinsen. Zudem steigen die Forderungen der Gläubiger um rund 8 Prozent pro Jahr oder umgerechnet 1.600 Euro durch Kosten für das Eintreiben der versäumten Forderungen.

Quelle: Screenshot der Webseite - iff-ueberschuldungsreport.de

iff-Überschuldungsreport 2013

 

Nebenkosten gleichen einer Schuldenspirale

Auch wenn die Zahlungsmoral gegeben ist und Schulden getilgt werden, können sich daraus ebenso mehr Schulden entwickelt. Funktionieren tut dies ganz einfach. Zuerst werden bei einer Forderung, die mittels Ratenzahlung getilgt wird, die Anwaltskosten und Verzugszinsen bezahlt. Erst dann erfolgt die Tilgung der eigentlichen Forderung. Kurz gesagt: Wenn die Rate zu gering ist, können sich im Hintergrund die Schulden durch Zinseszinsen vergößern, da zuerst die Nebenkosten bezahlt werden. Ein größerer Schuldenberg heißt wiederum mehr Kosten durch Zinsen.

Beispiel:

Hauptforderung: 2.000 Euro
Verzugszinsen pro Monat: 5 %
Monatlicher Zuwachs der Schulden ohne Tilgung: 100 Euro
Monatliche Rate: 50 Euro
Zuwachs der Schulden: 50 Euro

Nächster Monat

Hauptforderung: 2.050 Euro
Verzugszinsen pro Monat: 5 %
Monatlicher Zuwachs der Schulden ohne Tilgung: 102,50 Euro
Monatliche Rate: 50 Euro
Zuwachs der Schulden: 52,50 Euro

Dieses Beispiel ist nur fiktiv und dient nur zur Veranschaulichung der Situation. Minimalraten können eine Gefahr darstellen, sich weiter zu verschulden. Hier sollte entweder professionelle Hilfe gesucht werden, beispielsweise bei einer Schuldnerberatungsstelle oder vorab kalkuliert werden, wie hoch die Tilgungsrate sein muss, damit sich der Schuldenbetrag tatsächlich verkleinert. Zu geringe Raten können Schuldner weiter in die Schulden treiben, die letzten Endes für Schuldner oftmals nicht mehr zu kontrollieren sind.

Bankschulden

Bei Schulden bei einer Bank sieht dies anders aus. Hier hat der Gesetzgeber eine Sonderregelung geschaffen, um Schuldnern die Möglichkeit zu geben, ihre Schulden ohne eine Art Schuldenspirale tilgen zu können. Zuerst werden bei Bankschulden, bei denen oftmals ein Kredit der Auslöser war, alle angefallenen Kosten für Anwälte und Gerichte getilgt. Danach erfolgt die Begleichung des Kreditvolumens und erst dann werden die Verzugszinsen getilgt. Durch diese Methode wird die Gesamtforderung wesentlich schneller und im gleichen Zuge auch die Verzugszinsen geringer. Demzufolge ist die Schuldenspirale bei Bankschulden eher weniger verbreitet und die Modalitäten der Rückzahlungen verhältnismäßig günstiger als bei anderen Gläubigern.
Die durchschnittlichen Schulden der Banken liegen bei etwa 16.261 Euro pro Jahr. Damit gehören Bankschulden mit 47 Prozent der Gesamtforderungen zu den häufigsten Schulden. Unverständlich hingegen bleibt die Tatsache, dass sich die Bankschulden in den letzten Jahren seit 2008 bis 2011 von durchschnittlich 18.055 Euro auf 14.601 Euro verringert haben. Nun sind diese erstmals wieder erheblich gestiegen und zwar auf 16.261 Euro pro Jahr.

Staatsschulden

Die Staatsschulden sind dagegen deutlich gestiegen. Zu den Staatsschulden gehören Forderungen von Städten, Gemeinden, Kreisen, Bezirkskassen, Ministerien, Sozialämtern, Jobcentern und auch von der Gebühreneinzugszentrale. Die derzeitige durchschnittliche Forderung beträgt 6.168 Euro pro Jahr. Im Vorjahr waren es noch 5.312 Euro. Somit kann hier ein Zuwachs von 856 Euro verzeichnet werden. Der Anteil an den Gesamtschulden liegt bei ungefähr 18 Prozent. Dies ist der höchste Stand, der je gemessen wurde.

Gewerbliche Gläubiger ohne Versandhandel

Bei den gewerblichen Gläubigern sieht es gegenüber den Staatsschulden anders aus. Hier hat sich der Schuldenstand hinter den Staatsschulden geschoben. Der Anteil der Gesamtschulden liegt bei etwa 9 Prozent, deutlich geringer als in den Vorjahren. Die durchschnittlichen Forderungen belaufen sich auf 3.044 Euro, wohingegen dies eine drastische Minimierung von 2.205 Euro gegenüber dem Jahr 2009 darstellt. Da lagen die Forderungen im Durchschnitt bei 5.249 Euro pro Jahr.

Arbeitslosigkeit häufigster Grund für Schulden

Der häufigste Grund für die Anhäufung von Schulden stellt neben diversen anderen Gründen die Arbeitslosigkeit dar. Diese hat einen Anteil von 29 Prozent und ist daher der Hauptauslöser von Schulden. Trotz dessen ist der Anteil um 4 Prozent zum Vorjahr leicht zurückgegangen, denn da galt Arbeitslosigkeit mit 33 Prozent noch stärker als Auslöser. Hingegen haben Scheidungen und Trennungen als Auslöser zugenommen. Hier stieg der Anteil von 11 auf 13 Prozent. Im Jahre 2011 lag der Anteil an schweren Krankheiten bei 9,8 Prozent. Nun ist hier ein Wert von etwa 10,2 Proent zu verzeichnen. Rückgängig hingegen scheint ein übermäßiger Konsum zu sein. Im Jahre 2008 wurden hier noch 11 Prozent verzeichnet, im Jahre 2012 hingegen nur noch 9,3 Prozent. Im ersten Quartal 2013 dann sogar nur noch 6,8 Prozent.

Quelle: welt.de

TVöD: Tarifvertrag 2018/ 2019, Entgelttabellen, Rechner | Oeffentlicher Dienst | Autor: Frank Wegener