Die neue Arbeitsform Worcation, auch mittlerweile eingedeutscht Workation, wird immer beliebter: Mehr als die Hälfte der Deutschen würden einer Umfrage zur Folge, lieber woanders arbeiten als am Arbeitsplatz oder zuhause. Worcation heißt arbeiten dort, wo andere Urlaub machen. Das Wort setzt sich aus den englischen Begriffen vacation für "Ferien, Urlaub" und work "Arbeit" zusammen. 

Worcation nimmt Fahrt auf

Vor der Corona-Pandemie war Worcation für viele Arbeitgeber kaum denkbar. Schon allein Homeoffice stieß vielerorts auf Ablehnung, obwohl diese Form des Arbeitens hätte in vielen Unternehmen umgesetzt werden können. Dann kam Corona. Neue Strategien und neue Arbeitsformen mussten her. Heraus kamen Homeoffice und Worcation. 

Diese Länder lagen 2021 bei Deutschen in Workation im Trend 

2021 begaben sich bereits viele deutsche Arbeitnehmer auf Reisen, um von einem anderen Ort oder Land aus zu arbeiten. Diese acht Länder waren dabei besonders beliebt:

  • Griechenland und seine Inseln
  • Kanarische Inseln
  • Portugal
  • Ägypten
  • Südafrika
  • Marokko
  • Sansibar
  • Bali

Disziplin ist ein Must Have 

Workation ist jedoch nicht nur mit vielen positiven Seiten behaftet, sondern auch mit einigen Schattenseiten. Oberstes Gebot bei Worcation ist die Disziplin. Ohne diese funktioniert nicht. Wenn der Tagesplan eine Arbeitszeit von 8 bis 16 Uhr vorsieht, so muss diese eingehalten werden, auch wenn draußen vor der Nase das Meer zum Schwimmen wartet. Disziplin ist also wichtig und ist eine der Grundvoraussetzungen für das Arbeiten an einem anderen Ort.

Voraussetzungen für stressfreies Worcation

Um stressfrei und produktiv arbeiten zu können, bedarf es einiger wichtiger Voraussetzungen:

  • hohes Maß an Disziplin
  • es muss eine stabile Internetverbindung gewährleistet sein
  • Arbeitszeiten müssen eingehalten werden
  • zu erreichende Ziele und Projekte sollten termingerecht umgesetzt werden
  • die Erreichbarkeit für den Arbeitgeber muss gewährleistet sein
  • ein Notfallplan für Störungen sollte vorab mit dem Arbeitgeber ausgearbeitet worden sein

Arbeitgeber werden immer flexibler: Sie sehen die Vorteile

Viele Arbeitgeber lassen sich bereits auf Worcation ein, denn Workation bringt ihnen in der Regel Vorteile. Arbeitgeber haben erkannt, dass weniger gestresste Arbeitnehmer deutlich produktiver und kreativer sind. Gerade im Urlaub kommen vielen Arbeitnehmern neue kreative Ideen, weil sie dort im Regelfall entspannter sind. Experten und Psychologen raten bereits seit Längerem Arbeitgebern, sich von starren Mustern zu verabschieden. Arbeitgeber, die auf Kreativität und neuen Ideen angewiesen sind, sollten ihren Arbeitnehmern das Arbeiten so angenehm wie möglich machen.

Schweden macht es vor. Dort existieren bereits Arbeitsmodelle, die in Deutschland kaum in Betracht gezogen werden. Ein Beispiel ist ein Arbeitsmodell, bei dem vom Arbeitgeber ein gewisses Ziel und eine Deadline vorgegeben wird. Die Anzahl und Uhrzeit der Arbeitsstunden jedoch nicht. Der Arbeitnehmer kann somit frei entscheiden, wann und wie lange er arbeitet, um dieses Ziel zu erreichen. Zumeist übertrumpfen Arbeitnehmer das Ziel, da sie weniger gestresst sind. Wenn es in Schweden funktioniert, warum nicht auch in Deutschland? 

Wie den Arbeitgeber von Workation überzeugen?

Wer in Homeoffice arbeitet, hat einen großen Vorteil, denn der Arbeitgeber ist bereits daran gewöhnt, dass der Arbeitnehmer nicht im Büro unter seine Fittiche sitzt. Trotzdem tun sich Arbeitgeber bei dem Gedanken schwer, den Arbeitnehmer zumindest zeitweise von einem anderen Ort als das Zuhause des Arbeitnehmers arbeiten zu lassen. Zumeist stecken mangelndes Vertrauen und die Angst vor Kontrollverlust dahinter. Wie also können Arbeitnehmer den Arbeitgeber von dem neuen Arbeitsmodell überzeugen?

Psychologen raten zu folgender Vorgehensweise:

1. Ziele vorab mit dem Arbeitgeber festlegen

Das Ziel muss klar beim Namen benannt werden und auch die Deadline. Um dem Arbeitgeber nicht das letzte Fünkchen Vertrauen zu rauben, sollten Arbeitnehmer dieses Ziel auch umsetzen und die Deadline einhalten. Am besten den Chef mit regelmäßigen Updates auf den Laufenden halten. 

2. Internetverbindung und Technik prüfen

Wichtig ist in erster Linie eine stabile Internetverbindung. Diese muss gewährleistet sein, sonst wird das Arbeiten schnell zum Trauerspiel. Ebenso sollte die Software und der PC einwandfrei laufen. Dies sollte vor der Abreise geprüft werden - auch, wo sich der nächste Computerladen befindet.

3. Erreichbarkeit gewährleisten

Dem Chef nicht zu antworten und sich totstellen, weil man das Ziel nicht erreicht hat, sollte unbedingt vermieden werden. Hier heißt es, vorab mit dem Chef eine Erreichbarkeit ausmachen. Viele Arbeitnehmer, die bereits in Worcation arbeiten, sind von 9 bis 17 Uhr für den Chef jederzeit per Mail und per Telefon erreichbar. Dabei sollte eine eventuelle Zeitverschiebung mit eingerechnet sein. 

4. Störungen mit dem Chef besprechen

Andere Länder, andere Probleme: In anderen Ländern kann es öfters zu Stromausfällen kommen oder zu Lärmbelästigungen oder auch zu anderweitigen Ablenkungen. Störungen sollten also vorab mit dem Arbeitgeber besprochen werden. Was ist zu tun, wenn der Strom ausfällt? Werden die Stunden nachgearbeitet? Wann? Gibt es einen wöchentlichen Bericht? Wichtig ist, mit dem Arbeitgeber vor der Abreise darüber zu sprechen, um alle Unklarheiten aus dem Weg zu räumen. Das ist nicht nur gut für den Arbeitnehmer, sondern fördert auch das Vertrauen des Arbeitgebers.

 

TVöD: Tarifvertrag 2022, Entgelttabellen, Rechner | Oeffentlicher Dienst | Autor: Frank Wegener