4 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 4.00 (1 Vote)

Pro Jahr werden im deutschen Gesundheitsweisen Schätzungen zufolge rund 300 Milliarden Euro ausgegeben. Davon sollen etwa 15 Milliarden durch Betrug von Ärzten, Leiter von Kliniken und Pflegediensten und Apotheken abgezapft und in die eigene Tasche gesteckt werden. Geld, was vor allem den Krankenkassen fehlt. Denn hier versickert das meiste Geld. Dies teilten Krankenkassen in Zusammenarbeit mit der Justiz mit.

Beweggründe für den Betrug in der Gesundheitsbranche sind nicht ausschließlich nur die reine Geldgier. Vielmehr ist es ein Zusammenspiel aus komplizierten Abrechnungsregeln, die selbst in einigen Fällen Ärzte kaum verstehen und die Tatsache, dass sich ungewollt oder gewollt auf leichter Art und Weise somit mehr Geld verdienen lässt. Oftmals arbeiten Ärzte mit Apothekern zusammen, die dann die teuren verschriebenen Medikamente den Patienten übergeben. Bei den Krankenkassen wird dann das Medikament abgerechnet und schließlich im Preis geteilt, so dass der Arzt und die Apotheke jeweils die Hälfte des Medikamentenpreises einstreichen.

Krankenkassen teilen mit, dass jede dritte Rechnung, die Kliniken einreichen, fehlerhaft sei. Ob gewollt oder nicht gewollt ist für Krankenkassen kaum nachvollziehbar. Jedoch nutzen Krankenkassen auch spezielle Computerprogramme, die anzeigen, welche Apotheke welches Medikament besonders häufig abrechnet. Trotz dieser Programme können die Krankenkassen jedoch selten eingreifen, denn durch die Einführung sogenannter Fallpauschalen wird das Ganze noch komplizierter.

Ein Beispiel hier ist der Bonus für Klinken bei Frühchen. Kommt ein zu früh geborenes Baby zur Welt mit einem Gewicht von unter 750 Gramm, so erhält die Klinik für diese Diagnose von den Kassen 77.000 Euro. Kommt stattdessen ein Kind zur Welt, was mehr als 750 aber unter 874 Gramm aufweist, so erhält die Klinik nur noch 62.000 Euro. Somit kann man auf leicht verständlicher Art und Weise erklären, weshalb oftmals Frühchen mit einem Gewicht von unter 750 Gramm zur Welt kommen.

Sofern Krankenkassen jedoch einen Verdacht begründen können, können sie diesen an die Staatsanwaltschaft übergeben. Diese wird dann in dem Fall ermitteln.
Warum es überhaupt für die Gesundheitsbranche so schwierig ist, genau und fehlerfrei abzurechnen, liegt in der Tatsache, dass jedes der 16 Bundesländer eigene Regeln aufweist. Zudem ist es ein enormer Unterschied in der Abrechnung, ob der Arzt niedergelassen oder angestellt ist. Zudem gibt es für Universitätskliniken eigene Regeln. Andere Klinken wiederum haben ebenso eine differenzierte Abrechnungsformalität.

Quelle: tagesspiegel.de

 

TVöD: Tarifvertrag 2018/ 2019, Entgelttabellen, Rechner | Oeffentlicher Dienst | Autor: Frank Wegener