Der Beschluss der Bundesregierung, das Renteneintrittsalter auf 67 zu erhöhen, ist bei den meisten Beschäftigten ein Thema, welches Wut und Frust hinterlässt. Denn viele Beschäftigte beklagen schon jetzt mit Anfang oder Mitte 50 gesundheitliche Probleme und/oder fehlende Jobs. Dabei haben sie noch nicht einmal das Rentenalter von 65, gar die „60er Marke“, geschafft. Hier das Video

So verwundert es nicht, dass deutschlandweit Demonstrationen und Proteste gegen den Beschluss der Regierung stattfinden, wie derzeit in Berlin, wo Beschäftigte mit dem Geburtsjahrgang 1964 sich zu einer Protestaktion zusammengeschlossen haben. Die Gewerkschaften wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisieren ebenfalls das Vorhaben der Regierung.
Das Renteneintrittsalter von 65 Jahre auf 67 Jahre soll stufenweise bis zum Jahr 2029 beginnend ab dem Tag erhöht werden, wenn die sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmerquote auf 50 Prozent bei Arbeitnehmer zwischen dem 60. und 64. Lebensjahr gestiegen ist. Solange soll das Vorhaben „auf Eis gelegt“ werden.

Am kommenden Mittwoch findet eine Beratung seitens des Prüfberichtes von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen  statt, in der die Beschäftigungsquote älterer Menschen beurteilt wird.
Einen verstärkten Anstieg der Arbeitslosenzahl zwischen dem 60. und 64. Lebensjahr konnte durch eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) nachgewiesen werden. Dies ist vermutlich mitunter darauf zurückzuführen, dass die gesundheitlichen Probleme vieler Beschäftigter zu stark sind, um weiterhin einem Beschäftigungsverhältnis standzuhalten.

Demonstrationen und Proteste gegen den Beschluss der Regierung

 

Quelle: streik.tv

 

Ein gutes Beispiel ist die Baugewerbebranche, in der Bauarbeiter kaum bis zum 65. Lebensjahr gesundheitlich durchhalten. Ebenso stark gesundheitlich betroffen sind Postmitarbeiter sowie Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen und in der Pflegebranche. Dabei spielt der Beschäftigtenstatus jedoch keine große Rolle. Wenn es um Gesundheitsprobleme geht, sind Beamte, Arbeitnehmer außerhalb des öffentlichen Dienstes und Lohnarbeiter gleich gestellt. Ein Polizeibeamter kann ebenso gesundheitlich ausfallen wie ein Bauarbeiter.

Michael Sommer, DGB-Chef, schlug eine Alternativmöglichkeit zur Rentengarantie vor. Seine Lösungsstrategie liegt in der Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge statt einer Anhebung des Renteneintrittsalters. Das bedeutet: Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssten 0,6 Prozentpunkte in die Rentenkasse zusätzlich einzahlen und könnten demnach regulär mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen.

Jedoch sieht Ursula von der Leyen (CDU) dies anders. Sie betont, dass ältere Arbeitnehmer, die körperlich nicht mehr in der Lage sind, die bisherige Tätigkeit auszuüben, anderweitig eingesetzt werden können. Nach der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) gestaltet sich dies jedoch schwierig, da Jobs für ältere Arbeitnehmer zahlenmäßig gering vorhanden sind. Demnach haben ältere Beschäftigte kaum eine Chance auf den regulären Arbeitsmarkt, ein passendes körperlich zumutbares Beschäftigungsverhältnis zu finden.

Schenkt man Arbeitgeberpräsident Thomas Hundt Glauben, so sind die statistisch erhobenen Daten der BA hinfällig. Denn Hundt betont: „Die Zahl der über 55-Jährigen mit einem sozialversicherungspflichtigen Job ist innerhalb eines Jahres mehr als dreimal so stark gestiegen wie die Beschäftigung insgesamt.“ „Es führt kein Weg daran vorbei, bei steigender Lebenserwartung das Renteneintrittsalter zu erhöhen.“ „Nur dann bleibt die Rentenversicherung finanzierbar und der Rückgang des Arbeitskräftepotenzials begrenzt.“

Fakt ist jedoch: Der Druck auf die Regierung wächst zunehmend. Immer mehr Protestaktionen und Aufrufe hinsichtlich der Rentenreform werden wahrgenommen. Sollten sich die statistischen Zahlen der BA bestätigen, so wird die Arbeitslosenquote aufgrund der zwei zusätzlichen Arbeitsjahre und der damit verbundenen Gesundheitsprobleme der Arbeitnehmer sowie dem Mangel an passenden Beschäftigungsverhältnissen deutlich ansteigen. Ob die Regierung Recht behält, somit mehr Renteneinzahlungen zu erzielen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Quelle: de.news.yahoo.com

 

Siehe auch:

Altersrente: Welche Vorteile hat Rente mit 65?

 

TVöD: Tarifvertrag 2018/ 2019, Entgelttabellen, Rechner | Oeffentlicher Dienst | Autor: Frank Wegener